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Ganztagsschule und der Amateurfußball, Bedrohung oder Riesenchance?

Ganztagsschule und der Amateurfußball, Bedrohung oder Riesenchance?

In den Vereinen wird gerade viel über ein Thema geredet, das auf den ersten Blick nichts mit Fußball zu tun hat. Die Ganztagsschule. Und trotzdem könnte kaum etwas den Amateurfußball der nächsten Jahre so verändern wie diese eine Reform. Ich merke bei vielen Trainern und Jugendleitern eine echte Sorge, und ich verstehe sie gut.

Ich habe mir angeschaut, was da genau auf uns zukommt, und ich sage es vorweg. Es ist beides. Eine echte Bedrohung für das, wie wir Vereinsfußball kennen, und gleichzeitig eine der größten Chancen seit Langem. Es hängt davon ab, was wir daraus machen.

Was sich konkret ändert

Ab August 2026 haben Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Das läuft stufenweise. Los geht es mit der ersten Klasse, dann kommt Jahr für Jahr eine Klasse dazu, und ab 2029 gilt der Anspruch für alle Grundschüler von der ersten bis zur vierten Klasse.

Der Umfang ist ordentlich. Vorgesehen sind acht Stunden Betreuung an allen fünf Werktagen, und das gilt im Grundsatz sogar in weiten Teilen der Ferien. Für viele Familien ist das eine große Entlastung. Aber es heißt eben auch, dass die Kinder deutlich länger in der Schule sind als früher.

Warum viele Vereine Angst haben

Die Sorge ist schnell erklärt. Der klassische Amateurfußball lebt vom späten Nachmittag. Training um halb fünf, um fünf, wenn Schule und Hausaufgaben erledigt sind. Wenn die Kinder aber bis in den späten Nachmittag in der Betreuung sind, wird genau dieses Zeitfenster eng.

Dazu kommt, dass die Kinder nach einem langen Tag müde sind. Wer acht Stunden in der Schule war, hat abends nicht mehr unbedingt Lust, noch zum Platz zu fahren. Die Befürchtung ist, dass gerade die Jüngsten dem Verein wegbrechen, bevor die Liebe zum Fußball überhaupt richtig wachsen konnte.

Warum darin trotzdem eine Riesenchance steckt

Und jetzt kommt der Teil, der mich optimistisch macht. Wenn die Kinder ohnehin den ganzen Tag in der Schule sind, dann müssen wir eben dorthin, wo die Kinder sind. Statt zu warten, dass sie am Nachmittag zu uns kommen, bringen wir den Fußball in die Schule.

Genau das planen die Verbände gerade. Es soll Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen geben, bei denen der Verein das Sportangebot am Nachmittag mitgestaltet. Und das Schöne ist, der Bedarf ist da. In Umfragen wünschen sich Eltern für die Ganztagsbetreuung nichts so sehr wie gute Sport- und Bewegungsangebote. Wer könnte die besser liefern als ein Fußballverein vor Ort?

Das passt genau zu dem, worüber ich letzte Woche geschrieben habe. Unsere Kinder bewegen sich zu wenig. Die Ganztagsschule ist die Chance, Bewegung fest in den Alltag jedes Kindes einzubauen, statt zu hoffen, dass es abends noch von allein kommt. Das erreicht am Ende sogar Kinder, die sonst nie den Weg in einen Verein gefunden hätten.

Der Haken, den wir ehrlich benennen müssen

So schön das klingt, einfach wird es nicht. Der größte Knackpunkt ist das Personal. Unsere Vereine leben vom Ehrenamt, und ein Ehrenamtlicher, der selbst arbeitet, kann nicht um zwei Uhr nachmittags in der Schule stehen. Ein Nachmittagsangebot in der Schule braucht Leute, die zu Schulzeiten Zeit haben, und die sind rar.

Dazu kommt, dass andere Sportarten nicht schlafen. Handball, Basketball und viele mehr wollen genauso in die Schulen. Und je nachdem, ob ein Verein in der Stadt oder auf dem Land sitzt, sind die Bedingungen völlig unterschiedlich. Das alles muss man nüchtern sehen, sonst wird aus der Chance schnell eine Enttäuschung.

Was Vereine und Eltern jetzt tun können

Mein Rat an die Vereine ist, jetzt aktiv zu werden und nicht zu warten, bis das Problem da ist. Sucht das Gespräch mit den Grundschulen vor Ort, bevor es eine andere Sportart tut. Überlegt, wer im Verein zu Schulzeiten könnte, vielleicht auch über einen Freiwilligendienst oder eine kleine bezahlte Stelle. Und denkt das Ganze als Gewinn, nicht als lästige Pflicht.

Und an die Eltern. Fragt in der Schule eures Kindes nach, ob es Sport im Ganztag gibt und ob ein Verein dahintersteht. Eure Nachfrage ist das stärkste Signal, dass dieser Bedarf wirklich existiert.

Fazit

Die Ganztagsschule wird den Amateurfußball verändern, daran führt kein Weg vorbei. Wer sie nur als Bedrohung sieht, verliert am Ende die Kinder am späten Nachmittag. Wer sie als Chance begreift und in die Schulen geht, kann mehr Kinder erreichen als je zuvor. Ich weiß, wo ich stehe. Ich finde, wir sollten dahin gehen, wo die Kinder sind.

Wenn du in einem Verein aktiv bist und überlegst, wie ihr das Thema angeht, dann schreib mir. Ich tausche mich gerne dazu aus und teile, was ich sehe. Mehr über meine Arbeit findest du auf der Startseite.

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