bb @bennibohl

Wie viel muss jedes Kind spielen? Die Bank-Frage im Jugendfußball

Wie viel muss jedes Kind spielen? Die Bank-Frage im Jugendfußball

Es gibt diesen einen Moment, den jeder kennt, der schon mal an einer Seitenlinie im Jugendfußball stand. Ein Kind sitzt auf der Bank, schaut den anderen zu und wird an diesem Tag keine Minute spielen. Manchmal sind es die Eltern, die daneben leise kochen. Manchmal ist es das Kind selbst, das immer kleiner wird. Und der Trainer steht dazwischen und muss eine Entscheidung treffen.

Kaum eine Frage sorgt im Amateurfußball für so viel Streit wie diese. Muss jedes Kind gleich viel spielen, oder darf der Trainer aufstellen, wie er es für richtig hält? Ich will hier nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, sondern ehrlich sortieren, was der DFB dazu sagt, was die Zahlen verraten und wo ich selbst stehe.

Bei den Kleinsten ist die Antwort längst gefallen

Interessant ist, dass der DFB die Frage für die Jüngsten schon klar beantwortet hat. Das Prinzip im Kinderfußball lautet wörtlich: Alle Kinder spielen immer, kein Kind bleibt zu Hause. In der G- und F-Jugend wird nach jedem Tor automatisch gewechselt, und in der E-Jugend spielen die Wechselspieler nicht auf der Bank, sondern parallel auf einem kleinen Nebenfeld weiter.

Der Verband hat die Bank bei den Kleinsten also bewusst abgeschafft. Über den Hintergrund dieser Reform habe ich schon ausführlich in meinem Beitrag zur Kinderfußball-Reform geschrieben. Der Gedanke dahinter ist einfach. In diesem Alter geht es um Spaß und um möglichst viele Ballkontakte, und beides gibt es nur, wenn ein Kind auch wirklich spielt.

Ab der D-Jugend kommt die Bank zurück

Das Problem beginnt danach. Ab der D-Jugend wird wieder im klassischen Ligabetrieb gespielt, es gibt eine Tabelle, und plötzlich ist die Bank wieder da. Und mit ihr die Versuchung, die stärkeren Kinder durchspielen zu lassen, weil am Samstag eben auch das Ergebnis zählt.

Genau hier wird es heikel. Denn ein Kind, das mit zwölf oder dreizehn Woche für Woche mehr zuschaut als spielt, zieht seine Schlüsse. Und die sind selten gut für den Fußball.

Was die Zahlen dazu sagen

Und jetzt wird es unbequem, weil die Daten eine klare Sprache sprechen. Der Fußball verliert seine Jugendlichen, und zwar genau in diesem Alter. Die Zahl der A- und B-Jugend-Mannschaften ist von rund 18.000 im Jahr 2010 auf etwa 15.000 im Jahr 2018 gesunken. Das ist ein Rückgang von rund 17 Prozent, und der Ausstieg ballt sich zwischen vierzehn und achtzehn.

Wenn man fragt, warum die Jugendlichen aufhören, stehen zwei Gründe ganz oben. Der Sportwissenschaftler Prof. Schlesinger nennt neben dem Einfluss der Freunde vor allem die mangelnde Spielzeit und einen zu hohen Leistungsdruck im Training. Anders gesagt, wer nicht spielt, geht. Die Bank ist damit nicht nur eine Frage der Fairness, sie ist ein handfester Grund, warum uns Kinder verloren gehen.

Wo ich als Trainer stehe

Für mich ist die Sache in den Ausbildungsjahren klar. Bis weit in die Jugend hinein muss jedes Kind spürbar spielen. Nicht auf die Sekunde gleich, das wäre lebensfremd, aber so, dass kein Kind das Gefühl bekommt, es gehört nicht dazu. Ein Sieg in der D-Jugend ist am Montag vergessen. Ein Kind, das den Fußball aufgibt, weil es nie spielen durfte, ist für immer weg.

Dazu kommt etwas, das ich als Scout ständig sehe. Mit zwölf weißt du nicht, wer mit siebzehn der Beste ist. Wie wenig ein frühes Urteil taugt, habe ich in meinem Beitrag zum Scouting im Jugendfußball mit Zahlen belegt. Wer heute die vermeintlich schwächeren Kinder auf die Bank setzt, sortiert womöglich genau die Spätentwickler aus, die später den Unterschied gemacht hätten.

Ganz ehrlich sein muss man trotzdem. Je älter und je leistungsorientierter eine Mannschaft wird, desto mehr darf Leistung auch über die Spielzeit entscheiden. Das gehört zum Sport dazu. Aber selbst dann gilt für mich eine Regel. Rede mit dem Kind, sag ihm ehrlich, woran es liegt, und zeig ihm einen Weg, wie es mehr Einsatzzeit bekommt. Ein Kind ohne Perspektive gibt auf. Ein Kind mit einem Ziel bleibt dran.

Was Trainer und Eltern tun können

An die Trainer. Plant die Spielzeit bewusst, nicht aus dem Bauch heraus in der Hitze des Spiels. Und redet mit den Kindern, die weniger spielen, bevor die Eltern es tun. Ein ehrliches Gespräch verhindert die meiste Frustration.

An die Eltern. Wenn euer Kind wenig spielt, sucht das Gespräch mit dem Trainer ruhig und sachlich, nicht am Spielfeldrand mitten im Spiel. Und stärkt eurem Kind zuhause den Rücken, egal wie viele Minuten es bekommen hat. Eure Haltung entscheidet oft mehr über die Freude am Fußball als die Aufstellung.

Fazit

Die Bank-Frage ist kein Randthema, sie entscheidet mit darüber, ob Kinder dem Fußball treu bleiben. Der DFB hat es bei den Kleinsten vorgemacht, jeder spielt, und die Zahlen zeigen, was passiert, wenn wir das später vergessen. In den Ausbildungsjahren sollte deshalb kein Kind zum Dauergast auf der Bank werden. Denn am Ende gewinnen wir nichts, wenn wir das Spiel gewinnen und das Kind verlieren.

Wenn du im Verein aktiv bist und überlegst, wie ihr die Spielzeit fair und trotzdem ehrgeizig gestaltet, dann schreib mir. Ich tausche mich gerne dazu aus. Mehr über meine Arbeit findest du auf der Startseite.

Spielzeit Jugendfußballjedes Kind spielenErsatzbank KinderfußballDrop-out Jugendfußballfaire SpielzeitBank Jugendfußball

Passt das zu deinem Verein, Turnier oder deiner Marke?

Schreib mir